© AFP. Crédits : Mehdi Fedouach

Kultur

Juliette Gréco (1927-2020)

Die große Sängerin und Schauspielerin Juliette Gréco ist am vergangenen Mittwoch, dem 23. September, im Alter von 93 Jahren verstorben.

"Juliette Gréco ist mehr als nur ein Name. (...) In den Herzen der Massen in Ost und West ist sie seit dem Tod der Piaf die Allergrößte. Sie hat die zeitlose Schönheit einer Katze und auch deren erhabene, fast magische Lautlosigkeit.", beschrieb sie einst der Schriftsteller Louis Nucera. In der Tat ist Juliette Gréco eine weithin bekannte Stimme, eine Sängerin, die hunderte von Chansons aufgenommen hat, in Frankreich und anderswo, eine Schauspielerin, die mit Cocteau und Jean-Pierre Melville drehte - das Sinnbild der nonkonformistischen Frau der Nachkriegsjahre.

Gréco wurde 1927 als Tochter eines korsischen Vaters und einer bordelesischen Mutter geboren und wuchs bei ihren Großeltern mütterlicherseits in der Nähe von Bordeaux auf, bevor sie zu ihrer Mutter nach Paris übersiedelte. Von der Gestapo verhaftet, weil ihre Mutter einem Netzwerk der Résistance angehörte, entkam sie aufgrund ihres jungen Alters der Deportation und fand sich allein in Paris wieder, ohne Obdach und völlig mittellos. Zuflucht fand sie bei ihrer ehemaligen Französischlehrerin Hélène Duc, die sie in ihrem Haus in St-Germain-des-Prés aufnahm.

Juliette Gréco wurde schnell Teil des intellektuellen Epizentrums der gärenden Aufbruchsstimmung der Pariser Nachkriegsjahre. Sie verkehrte mit Boris Vian, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und frequentierte die Gruppe der Existentialisten. Sie entdeckte das „Le Tabou“ in der Rue Dauphine und beschloss, den Raum für Treffen im Freundeskreis zum Austausch über Themen wie Musik, Literatur und Philosophie zu nutzen. Das brachte ihr den Ruf der Muse von St-Germain-des-Prés ein.

Ihre musikalische Karriere nahm 1949 im Musikkabarett „Le Bœuf sur le toit“ ihren Anfang, wo sie Werke von Jean-Paul Sartre und Boris Vian aufführte. Im Jahr 1951 gewann sie den Grand Prix de SACEM für das Chanson „Je hais les dimanches“ und nur drei Jahre später trat sie zum ersten Mal in der berühmten Olympia-Halle in Paris auf. Ihr gelang der Durchbruch, es folgten eine Musical-Tournee durch die Vereinigten Staaten und eine Schauspielkarriere mit Jean Renoir, Jean-Pierre Melville und Richard Fleischer.

Den Gesang gab Juliette Gréco zeitlebens nicht mehr auf, sie absolvierte zahlreiche Auftritte in Frankreich und im Ausland und arbeitete mit namhaften Künstlern zusammen: 1966 stand sie im Palais Chaillot mit Georges Brassens auf der Bühne, in den 2000er-Jahren sang sie an der Seite von Benjamin Biolay, nahm in New York mit einem Jazz-Ensemble „Le Temps d'une chanson“ auf und wurde von Ibrahim Maalouf auf die Bühne des Olympia eingeladen. Mit ihrer internationalen Abschiedstournee "Merci", die 2016 zu Ende ging, verneigte sie sich ein letztes Mal vor ihrem Publikum.

Eine Ikone der französischen Musik starb nach einer beinahe ein Dreivierteljahrhundert umspannenden Karriere und hinterließ unzählige Chansons, die es zu entdecken und wiederzuentdecken gilt.

Quellen:

Blanckeman Bruno, Piazza Francoise, De Juliette à Gréco, Éditions Bartillat, 1994.

Combis Hélène, Mort de Juliette Gréco : "J’étais entièrement pourrie gâtée des choses les plus belles du monde", Franceculture, 23/09/2020.